Erfahrungsbericht (Teil 2)

Hier der zweite Teil des Erfahrungsberichtes von Joe:

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Wenn ich schraube, helfen mir die Inhaber der Räder – zumindest manchmal -, denn nicht jeder hat die Gabe, mit Werkzeug umzugehen, und nicht jeder hat eine Idee für eine Lösung, oder weiß, wo die richtigen Teile liegen. Die „richtigen Teile“ sind auch so ein Thema. Wir zerlegen häufig alte Räder, die nicht mehr zu richten sind, und nehmen die Teile zum Verbau an anderen Rädern. Die Teile passen manchmal, oft aber auch eben nicht, und da heißt es zu improvisieren. Dabei ist mein liebstes Hilfsmittel ein Kabelbinder. Ein schnödes, aber starkes Plastikband, das man einfädeln und stramm ziehen kann. Sitzt, passt und hat Luft, sagte mein Schwiegervater immer beim Werkeln. Damit befestigen wir Fahrradkörbe, Kabel am Rahmen, Schutzbleche, oder Lampen. Wir freuen uns immer, wenn etwas völlig aussichtsloses doch klappt, wir nennen das dann, im „African Style“ reparieren. Darüber lachen dann am meisten die Flüchtlinge, weil Improvisation und Herrichten von alten Dingen in Afrika der Normalfall ist, und wir gut organisierten und gründlichen Deutschen reparieren nun auch im African Style, haben Erfolg damit und Spaß daran. Mittlerweile habe ich Unterstützung von anderen Helfern, wir schrauben nun fast immer zu zweit, manchmal sogar zu dritt, wenn Elmar und WoWo mit anfassen. Der eine ist Geschäftsführer eines Mittelständlers, kann alles schrauben, ist noch einen Tick erfahrener als ich, der andere ist Rentner und in vielen Bereichen von Dachau und Hebertshausen sozial engagiert. Ein gutes Team, wo jeder sich noch was beim anderen abschauen kann. Nicht ohne diese beiden, den polnischen Nachbarn des Flüchtlingsheimes, ein Handwerker namens Tomas, nicht ohne eine Dachauer Beruf-Schulklasse von Schreinerlehrlingen, alles Flüchtlinge, und natürlich nicht ohne viele Flüchtlinge unseres Hauses, hätten wir im Herbst einen Wetterunterstand für die Fahrräder bauen können. Richtig professionell und gut, kein African Style: Ausschachten mit einem Bagger, Auffüllen, Planieren, Plattieren, Fundamente gießen, drei Carports in Reihe hintereinander aufbauen, Dach montieren. Das hat uns auch einige Samstage gekostet, und beim ersten Schnee im November, haben wir das Dach festgeschraubt. Just in time. Jetzt fehlen dort noch Seitenwände zur Wetterseite, aber das bekommen wir auch noch bald hin… (Teil 3 folgt)